ANRANDUNGEN

Marco Kaufmann (Berlin)


10.01. – 04.03.2014
Galerie NEUE OSTEN
Bautzner Str. 49, 01099 Dresden


Vernissage: 10.01.2014, 19 Uhr


Kurator: Matthias Schumann

Der Fotograf Marco Kaufmann aus Berlin bereiste mit dem Auto acht Wochen lang die Gegend entlang der östlichen Schengen- Grenze, beobachtete die Landschaft und schoss dabei Fotos. Eine hervorragende Auswahl dieser Fotos kann nun in der Galerie NEUE OSTEN, Bautzner Str. 49, 01099 Dresden vom 10. Januar bis zum 04. März 2014 bestaunt werden. Die Ausstellungseröffnung fand bereits am Freitag, d. 10. Januar 2014 um 19 Uhr unter Anwesenheit des Künstlers statt (Fotos im Text unten).


Über das Projekt

„Europa hat natürliche Grenzen im Westen, Norden und Süden, aber nicht im Osten. Vor noch nicht allzu langer Zeit befand sich der östliche Rand Europas direkt vor meiner Tür in Gestalt der Berliner Mauer. Heutzutage scheint sich die Grenze immer weiter nach Osten zu verschieben, bis an die Oder, oder sogar noch weiter nach Brest (Ukraine). Heute gibt es einen neuen Osten, der sich vom „Ostblock“ unterscheidet und ein Europa, das nicht in das Bild passt, das sich seine Bewohner gemacht haben. Die Geschichte begann von neuem, als es bereits so schien, als sei sie bereits an ihr Ende gelangt. Hinter dem, was wir zu wissen glaubten befindet sich ein Territorium, das für uns noch zu erforschen ist.
Wo wird sich die östliche Grenze eines ökonomisch und politisch vereinten Europas am Schluss befinden? Welche Länder werden letztendlich dazu gehören und wann wird die Europäische Union nicht mehr aufnahmefähig sein? Solche Fragen müssen beantwortet werden und animieren zu emotionalen Reaktionen und Kontroversen. Es gibt immer noch viel zu tun in den neuen EU-Ländern im Osten, aber nichts scheint so dringend zu sein wie die Sicherung ihrer neu gewonnenen Privilegien. Es ist nicht das Verschwinden der Grenze, das ich mit eigenen Augen gesehen habe, sondern eher ihre Metamorphose. Das sich abzeichnende neue Europa ist nicht grenzenlos, aber eines, das lernen muss, seine Grenzen zu finden und mit ihnen zu leben.

Wie dem auch sei, es sind die Barrieren selbst und weniger ihre politischen Aspekte, die das Thema meiner Arbeit sind. Die Grenze ist eine teilende Linie, eine Demarkation, die den Raum trennt und eingrenzt, in dem wir leben. Menschen leben niemals (noch könnten sie es) in einem grenzenlosen Raum. Die Begrenzungen, von denen wir abhängig sind nur eine vorübergehende Linie, eine Schwelle, die das Formlose strukturiert. Solche Begrenzungen sollten uns keine Angst einjagen, sie sollten uns eine Anregung sein. Sie fördern neue Erfahrungen und stellen sicher, dass jede Ankunft gleichzeitig ein Abschied ist. Charakteristisch für Begrenzungen ist der Reichtum des Unterschieds. Eine Grenze weist genauso  auf die Verpflichtung hin, Verantwortung für unser Zuhause zu übernehmen wie auf das Recht, anderswo Gast zu sein.
Eine Reise von Norden nach Süden entlang der Peripherie unseres großartigen politischen und kulturellen Projekts, der europäischen Union, führte mich von Estland durch Lettland, Litauen, Ostpolen, die Slowakei und Ungarn zu den östlichen Grenzregionen Rumäniens. So eine Tour, die mit dem Auto über 8 Wochen dauerte, erlaubte es mir, reichhaltiges Material anzuhäufen, dass aus Beobachtungen und Begegnungen auf dem Weg entstanden ist und auf den oben ausgeführten Gedanken und Fragen des Projekts “Anrandungen” basiert. (Marco Kaufmann)

Über den Künstler

“Marco Kaufmann ist Teil einer Generation junger europäischer Künstler, die eine kritische Haltung gegenüber traditionellen Medien eingenommen haben. Marcos Arbeiten transzendieren Repräsentation, indem sie die Aufmerksamkeit auf den bloßen Akt des Malens als ein empirischer Prozess lenken. Das erlaubt einen neuen Sinngehalt.

Kaufmanns Arbeit ist im Innersten Konzeptmalerei. Indem er formelle Kompositionsästhetik sprengt, lädt er den Betrachter dazu ein, Erfahrungen mit unerwarteten Betrachtungsweisen zu machen.

Marco Kaufmann legt Konzeptionen nieder, die den bequemen Blick des Betrachters stören. Er stellt unseren Blickwinkel in Frage, indem er einen wahrhaftigen flüchtigen Blick in den künstlerischen Denkprozess anbietet. Mutig unterwirft er sich den verletzlichen, mit Problemen belasteten Stadien des Werdens um am Ende einen bezaubernden Reiz des Sublimen zu enthüllen. (Geschrieben von Hester Chan, Gallerist und Direktor der HCFA