Vergessene Kinder

Nach der erfolgreichen Vernissage von „Vergessene Kinder“ am 07.03.2014, ist die Ausstellung, die zwei Reportagen aus der sibirischen Industriestadt Barnaul über Waisenkinder und über Gastarbeiter in sich vereint, noch bis zum 06.05.2014  in der Galerie NEUE OSTEN zu sehen. Die Fotografien von Elena Pagel (Dresden/DE) und die Texte von Marina Kochneva (Barnaul/RU), die sich seit ihrer gemeinsamen Jugend in Barnaul kennen, zeigen mit ungeschminkter Deutlichkeit die Tristesse sozialer Zustände aber auch, wie das Engagement Einzelner für die vergessenen Kinder den tief ersehnten Hoffnungsschimmer bedeutet.

„Kinderklinik №2“
Die Überwachungsstation für Waisenkinder und Intensivstation befindet sich in einem Gebäude der Infektionskinderklinik Nr. 2 in Barnaul, der Hauptstadt der Region Altai in Westsibirien (Russland). Ein vierjähriger Junge wurde seiner alkoholabhängigen Mutter entrissen und von der Polizei in die Klinik gebracht. Auf der Station wurde er sofort erkannt. Vor knapp einem Jahr war er schon einmal hier. Auch damals wurde er von seiner Mutter geschlagen. Die Kinderklinik ist schon längere Zeit von der Stadt vergessen worden zu finanzieren. Und bleibt seitdem in einem Zustand von Not und Armut: 43 Rubel (1 Euro) pro Tag stehen für die Ernährung eines Kindes zur Verfügung. Die Ärzte werden schlecht bezahlt und bringen Möbel und Glühlampen von zu Hause mit.

“Vergessene Kinder”
Zwei Reportagen aus einer sibirischen Industriestadt präsentiert von Marina Kochneva und Elena Pagel


07.03. – 06.05.2014

Galerie NEUE OSTEN
Bautzner Str. 49, 01099 Dresden
Vernissage: 07.03.2014, 19 Uhr
Kurator: Elena Pagel


Marina Kochneva (Reporterin von Altapress und Komsomoljskaja Pravda aus Barnaul, Sibirien, Rußland) – Interview, Texte


Elena Pagel (freischaffende Künstlerin / Fotografin aus Dresden, Deutschland) – Fotografie

Eine Mutter für Gastarbeiter“

Ljudmila Petrovna und ihr Ehemann sind aus einer russischen Adels-Kosakenfamilie. Zurzeit leben auf ihrem Hof in Barnaul über einhundert Migranten aus der usbekischen Stadt Andijon. Die ehemaligen sowjetischen Landsmänner nennen die Hofbesitzerin achtungsvoll „Mama“. Die tollkühne Frau ist das Oberhaupt ihres „usbekischen Kosakenhof-Karavansereis“ und muss deshalb des Öfteren Konflikte mit der Polizei, mit dem Migrationsdienst oder sogar mit nationalistisch veranlagten Bürgern der Stadt lösen, um ihre so genannten Kinder, die vergessenen Bastarde der Sowjetunion, zu schützen.