Licht im Dunkel

Foto: Elena Pagel
Foto: Elena Pagel

Schwere Eichentüren fallen zu und schließen das Tageslicht aus. Der riesige Raum der Kathedrale der Jungfrauengeburt ist mit Weihrauch und dem Gemurmel der Gläubigen erfüllt. Das Halbdunkel um die dünnen Wachskerzen wird durch Lichtstreifen unterbrochen, die durch kleine Fenster in den Kirchenraum fallen. Wie Lichtinseln leuchten ein paar bunte Kopftücher von Gläubigen, auf den knarrenden Bodendielen schwimmen blasse, helle Flecken. Vorn vom Altar verliest ein Priester die Leidensgeschichte Jesu. Die Kirche ist dicht gefüllt mit leise betenden Gläubigen. Die ganz besondere Stimmung beim orthodoxen Osterfest haben die Fotografinnen Evelin Richter und Elena Pagel in sehr individuellen Aufnahmen festgehalten.

Das Klicken der Kameras ist während der Gottesdienste normalerweise unerwünscht, weil es die Gefühle der Gläubigen stört. Die Vorbereitung auf das Osterfest im Kloster St. Pafnutius durften die beiden Künstlerinnen aber in eindrucksvollen Bildern festhalten, mit Sondergenehmigung von Archimandrit Seraphim, dem Abt des Männer-Klosters. 


Evelyn Richter, die Fotografin, ist eine Legende in der Geschichte der deutschen Fotografie. Ihr Traum, das russisch-orthodoxe Osterfest zu fotografieren, würde in April 2012 erfüllt. Mit Stipendium der Ostdeutschen Sparkassenstiftung konnte sie die Reise realisieren. In Januar 2013 in der Kreuzkirche in Dresden hatte die Künstlerin ihre Abbildungen erstmals gezeigt.

In der Galerie NEUE OSTEN präsentiert Elena Pagel, die damals Evelyn Richter nach Russland begleitet und die ganze Reise koordiniert hat, mit „Licht im Dunkel“ nun eine Art Story-Board in Fotografien und Wort, wie die Reise 2012 stattgefunden hat.

Die dreitägige Begegnung, Gespräche mit Klosterbewohner, Besuchern und Helfern haben ihre Erinnerungsspuren im Herzen hinterlassen. Im Zentrum stehen dabei die Gefühlen der Menschen vor Ort: Ihre Verzweiflung, Müdigkeit, Einsamkeit vermischen sich mit großen und kleinen Hoffnungen, mit Gläubigkeit und Herzenstrost.

Das Kloster in Borowsk (ca. 100km südwestlich von Moskau) mit seiner seligen Atmosphäre, diese kleine Oase mit vergoldenden Kuppeln, hat an diesen Tagen ihren Menschen viel geschenkt. In der Frömmigkeit erwartet die Gemeinde ein Wunder - etwas Licht zu Ostern. Nicht wenige dieser Leute kommenden aus schwierigen sozialen Verhältnissen aus der Umgebung des Klosters, aus diesem so genannten „dunklen Raum“. Sie hoffen, dass zu Ostern etwas heiliges Licht da hineinzieht, was sie die Liebe Gottes erlebbar macht.